Altersdepressionen: Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung

Wenn ein Mensch ab einem Alter von 65 Jahren eine Depression entwickelt, dann spricht man von einer Altersdepression.

Grundsätzlich bedeutet Depression, dass eine Störung der Gefühlswelt vorliegt. Die betroffene Person wirkt niedergeschlagen, freudlos und antriebslos.

Der Unterschied zur Depression junger Menschen ist, dass im Alter körperliche Beschwerden zu den ersten Symptomen gehören, wie zum Beispiel: Magen-Darm-Beschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen oder Anfälle von Schwindel. Die Depression entwickelt sich dabei schleichend im Hintergrund.

Neben Demenz ist eine Altersdepression bei 70 – 90-Jährigen mit 6,1% die häufigste psychische Erkrankung im Alter.

Ursachen und Auslöser einer Altersdepression

Es gibt viele Faktoren, die eine Altersdepression auslösen. Neben der genetischen Veranlagung, begünstigen biologische Veränderungen und Einflüsse im Alter die Entstehung. Unter anderem zählen auch Eigenschaften wie Unsicherheit, Pessimismus und ein schnelles überfordert sein dazu. Als älterer Mensch ist man nicht mehr so belastbar, wie man es früher war und entwickelt eine Unzufriedenheit.

 

Faktoren bedingt durch das Alter

Im Alter nimmt die Häufigkeit des Krankseins zu. Während der Krankheitsstadien sind die
Schübe von Depressionen deutlicher zu verzeichnen. Bei Demenzkranken liegt die
Depressionsrate bei 40%, bei Krebserkrankungen zwischen 30 bis 50% und bei Morbus
Parkinson Patienten zwischen 20 und 30 %. Bei Schlaganfallpatienten liegt die Depressionsrate
sogar bei 75%.

Betroffene, die starke Medikamente zu sich nehmen, beispielsweise Schlaf- und
Beruhigungsmittel, weisen eine höhere Anzahl an Depressionsschüben auf.

Mehr als 90% der älteren Depressiven leiden oft auch an Schlafstörungen. Eine Wechselwirkung
zu Depressionen wie sich zeigt. Betroffene schlafen schlecht ein, wachen früh auf und weisen
Tagesmüdigkeit auf.

 

Soziale psychische Faktoren

Mit dem Alter haben Betroffene Verluste und Ereignisse erlebt, die gegebenenfalls nicht
richtig verarbeitet wurden.

  • Schnelle Modernisierung. Die Betroffenen werden mit Situationen konfrontiert, die sie nicht
    bewältigen können.
  • Als Rentner ist die Tagesstruktur nicht mehr dieselbe. Es fehlt eine Aufgabe und das Gefühl von
    „Nutzlosigkeit“ kann sich einstellen. Der Tod des Ehepartners oder Familienangehörigen kann ebenfalls ein Auslöser sein. Ein
    wichtiger Teil des eigenen Lebens entfällt.
  • Räumliche Trennung zu Kindern und Enkeln sind ungewohnte Situationen, die sehr
    destabilisierend wirken und entsprechend Depression begünstigen.

 

Symptome der Altersdepression

Einen konkreten Krankheitsverlauf oder genaue Symptome festzulegen ist aufgrund der Vielfalt dieser Krankheit nicht möglich.

90% der Betroffenen leiden an körperlichen Beschwerden, die aber meist auf das Alter geschoben und daher nicht als Symptome erkannt werden. Geklagt wird eher über den allgemeinen Gesundheitszustand und weniger über den Gemütszustand.

Erst beim Verlauf der Krankheit wird deutlich, dass die soziale Kontaktfreudigkeit abnimmt. Die Betroffenen entwickeln ein Desinteresse am Leben, ziehen sich zurück und verlassen nur noch ungern die eigenen vier Wände.
Das Desinteresse der Familie oder den Freunden gegenüber sorgt dafür, dass diese sich zurückziehen und begünstigen dadurch nur die Einsamkeit und Isolation.

Ein Teufelskreis, denn wenn die Person nichts positives mehr erfährt, überwiegen die eigenen, negativen Gedanken.

 

Mögliche körperliche Symptome können sein:

  • Innere Unruhe
  • Schwindelgefühle
  • Missempfinden
  • Müdigkeit
  • Selbstzweifel
  • Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Selbstverletzung

Die körperlichen Schmerzen verdecken oft die Diagnose auf eine Depression.

 

Symptome psychischer Art sind:

  • Freudlosigkeit
  • Antriebs- und Lustlosigkeit
  • soziale Gleichgültigkeit
  • Selbstzweifel in Form von Wertlosigkeitsgefühlen und Destruktivität, Weinanfälle und emotionale Aufgewühltheit, Selbstmordgedanken

Diese Art von Symptomen ist typisch für Depressionen. Sie können aber nur frühzeitig erkannt werden, wenn der Betroffene seinen Zustand und seine Gefühle rechtzeitig von sich aus mitteilt. Dies ist leider nicht die Regel.

Bei depressiven Männern kommt es nicht selten vor, dass sich eine gewisse Aggressivität einstellt. Diese kann sich äußern durch Wutanfälle, Feindseligkeit oder erhöhte Reizbarkeit. In anderen sehr schweren Fällen kann es sogar bis zu Wahnvorstellungen kommen.

 

Aussicht auf Heilung der Altersdepression

Senioren mit einer leichten Depression finden in manchen Fällen aus eigener Kraft wieder aus dieser heraus. Allerdings sollte man nicht von einer Selbstheilung ausgehen. Bei ersten Anzeichen ist es empfehlenswert, sich in ärztliche Behandlung zu begeben, da sich eine leichte Depression ganz schnell weiterentwickeln kann.
Bei rechtzeitiger Therapie ist die Chance auf eine vollständige Heilung mit 25% relativ gering. Zudem sollte man zusätzlich im Hinterkopf behalten, dass 50% der Betroffenen einen Rückfall erleiden können.
Je nach psychischem Zustand muss eventuell auf eine entsprechende Medikation zurückgegriffen werden. Das bedeutet, selbst nach der Heilung kann es sein, dass weiterhin Antidepressiva empfohlen werden um einen Rückfall vorzubeugen.

 

Suizidgefahr bei Betroffenen

Senioren werden meist nicht des Suizids verdächtigt. Ein Verweigern von Nahrung und Flüssigkeit wird als Altersstarrsinn abgetan oder beiläufig erwähnte Suizidgedanken werden nicht ernst genommen. Dabei sollten bereits bei den eben genannten Themen die Alarmglocken läuten.

Suizid im Alter ist keine Seltenheit. 2009 wurden 42% weibliche und 34% männliche Suizidtote im statistischen Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland verzeichnet, die älter als 65 Jahre alt waren. Und dies sind nur die dokumentierten Fälle. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher.

Fakt ist, dass ältere Menschen, die ihr Leben beenden wollen, dies nicht spontan oder unüberlegt tun. Sie haben genug Zeit, sich alles auszumalen und mit dem Hier und Jetzt abzuschließen.

Es ist wichtig, Suizidvermutungen nachzugehen und entsprechende Maßnahmen bei Verdacht einzuleiten. Beispielsweise muss die Heimleitung informiert werden oder der behandelnde Arzt. Dieser wird dann entscheiden, ob eine normale Behandlung möglich ist oder ob der Patient so gefährdet ist, dass dieser in eine psychiatrische Einrichtung überwiesen werden muss, im Notfall auch gegen dessen Willen.

 

Ablauf der Diagnose einer Depression

Der erste Schritt ist eine Anamnese, in der ein Arzt erfragt welche Medikamente bereits genommen werden. Diese werden dann nach ihrer Wirkung beurteilt.

Wirkstoffe die eine Depression begünstigen sind zum Beispiel: Opiate und Opioide, ACE-Hemmer, Zytostatika Betablocker, Antibiotika, Kortison, Benzodiazepine und Virostatika.

Wenn die Anamnese abgeschlossen ist, kann der Arzt einschätzen ob es sich um ein Stimmungstief oder eine Depression handelt. Ein Stimmungstief kann von dem Betroffenen selbst benannt werden. In diesen Fall ist zum Beispiel Trauer der Grund, wohingegen bei einer Depression der konkrete Grund von dem Betroffenen nicht genannt werden kann.

Unterteilt wird die Depression dann in:

  • leicht: festgestellt werden zwei Hauptsymptome und zwei allgemeine Symptome
  • mittel: festgestellt werden zwei Hauptsymptome und drei allgemeine Symptome
  • schwer: festgestellt werden drei Hauptsymptome und vier allgemeine Symptome

 

Behandlung der Altersdepression

Die Behandlung der Altersdepression zielt darauf ab, dem Betreffenden durch Psychotherapien und entsprechende Medikamente wieder auf die Beine zu helfen.

Mit Hilfe von sozialer Unterstützung soll der Betroffene die Freude und Motivation wiederfinden, wieder aktiv am Leben teil zu nehmen. Die Therapieart entscheidet sich je nach Schweregrad und der jeweiligen Mobilität und Lebenssituation des Patienten.

Therapien mit Hilfe von Psychopharmaka sind mit viel Vorsicht durchzuführen und werden von einem Gerontopsychiater beaufsichtigt. Die meisten Mittel sind Bewusstseinsverändernd und sollen die Stimmung heben, haben aber auch ein breites Spektrum von Nebenwirkungen.

Beispielsweise sollten Medikamente die Nebenwirkungen wie „Beeinträchtigung der Sehfähigkeit“ oder „Verstopfungen“ haben, vermieden werden.

Da die Wirkstoffe von den Organen älterer Menschen langsamer aufgenommen und ausgeschieden werden, ist eine geringe Anfangsdosierung mit langsamer Steigerung und Anpassung wichtig. So wird ein Delir aufgrund von einer zu hohen Dosierung vermieden.

Die soziale Unterstützung ist ein weiterer wichtiger Baustein der Behandlung. In Gesellschaft sein, zu erfahren, dass man wichtig ist und gesehen wird, sich mitzuteilen und wieder aktiver am Leben teilzunehmen. Dies sind wichtige Lektionen.

Betroffene erlernen, dass sie wichtig sind und bekommen eine Aufgabe. Diese schenkt den Betroffenen wieder ein Lebensgefühl.

 

Fazit für ein gesundes Leben im Alter

Wichtig ist, dass man sich immer sein Selbstwertgefühl erhält, den Kopf fit hält und sich aktiv im Alltag einbringt. Man braucht Aufgaben und Struktur, um nicht zu rasten und zu rosten.

Wer im Alter seine Mobilität erhält, soziale Kontakte pflegt und sich nicht von der Krankheit unterkriegen lässt, hat gute Chancen, depressionslos alt zu werden.

 

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